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April 2016

April 2016

Der April 2016 führt uns zur Tulpenblühte nach Holland. Tulpen- und Hyazintenfelder so weit das Auge reicht, eine mit Blühtenpollen geschwängerte Luft, die das Atmen fast unmöglich macht.  An diesen betörenden Duft, der auch durch das geschlossene Autofenster strömt, an die tollen Farben in weiß, rose, lila untermalt mit tiefgrünen Blättern wird sich jeder Besucher immer wieder erinnern.

Von den bunten Feldern westlich von Amsterdam ist es nur ein Katzensprung bis nach Utrecht. Dort befindet sich das ältestes Kaufhaus Hollands – Winkel van Sinkel. Winkel van Sinkel – das kulturell kulinarische Kaufhaus Hollands, wie es einem ausgestellten Zeitungsbericht zu lesen ist, wurde zwischen 1837 und 1839 erbaut. Der Amsterdamer Stoffhändler Sinkel sah die Idee des Kaufhauses als eine Variante sein bisheriges Geschäft erheblich zu erweitern. Sinkel bot bis zur Eröffnung des Kaufhauses vorwiegend Vorhangstoffe in Selbstbedienung an, eine zur damaligen Zeit revolutionäre Idee des Einkaufens. In seinem neuen Kaufhaus sollte der Kunde alles  – von der Pille für Bauchschmerzen bis zur Geschenkverpackung bekommen. Die Idee ging auf und so wurde es Vorbild für viele spätere Kaufhausdynastien, wie der Familie Brenninkmeijer (C&A) oder der Familie Cloppenburg (P&C), die in unseren Einkaufsstraßen noch heute sehr präsent sind.

Schon damals ging bei Bauarbeiten nicht alles glatt. So ist im Hof des Hauses noch ein altes Fundament zu finden, auf welchem in der Bauphase 1837 mal ein Kran montiert war. Aus nicht überlieferten Gründen, kippte dieser und versank im Kanal vor den Haus. Anders als heute, wo ein neuer Kran nur einen Anruf entfernt ist, stand die Baustelle über Wochen still, bis Ersatz zur Verfügung stand.

Leider hat der Erfinder des modernen Konsumtempels den Erfolg nicht lange genießen können. Bereits 1848 verstarb Anton Sinkel und sein Mitarbeiter Anton Povel übernahm die Geschicke des Kaufhauses. 1912 war allerdings für immer Schluß und das Unternehmen Sinkel verschwand vom Markt. Das Gebäude hatte danach mehrere Eigentümer, die aber den alten Glanz nicht wieder herstellen konnten. 1977 übernahm  die AMRO-Bank das Gebäude. Das kulturelle, kulinarische Kaufhaus gibt es in seiner jetzigen Form seit rund 10 Jahren. Neben dem Grand Cafe werden die Räumlichkeiten für Tango und Salsa-Tanzabende, für Bühnenveranstaltungen und Firmenfeiern genutzt.

Ob die wunderbare, gewendelte Eichentreppe aus dem ersten Jahren von Winkel van Sinkel stammt oder erst später an diese Stelle montiert wurde, konnte der Verfasser leider nicht klären. Auf jeden Fall eine wunderbare Arbeit mit gebogenen Wangen an der Außen- und Innenseite, Tritt- und Setzstufen, gedrechselten Balustern als Geländerstäbe und einem formverleimten Handlauf, der sich am Antritt elegent um den Pfosten windet. Auch die Übergänge zu den Podesten sind hervorragend gelöst, so dass das Geländer ohne Unterbrechnung durchläuft. Eine wirklich meisterliche Arbeit, die schon beim Hinsehen Lust auf eine Begehung macht. Also ab nach Utrecht eine Kaffeespezialität oder eine Bier bestellt und die Treppe mit den Augen, den Händen und den Füßen erfahren.