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Juli 2016

Juli 2016

Santa Fe, die Hauptstadt des Bundesstaates New Mexico ist die Kulisse unseres Kalenderbildes Juli 2016. Woran denkt man, wenn einem Santa Fe genannt wird. Klapperschlangen, karge Vegetation, Kugelsträucher, die vom Wind über die Straße geweht werden, Mexikaner und unendlich weites Land. Einige von den Punkten treffen in der Tat zu, einige sind Eindrücke, die uns vom Fernsehen vermittelt wurden. Santa Fe liegt auf über 2000 Metern Höhe und so verwundert es auch nicht, dass die Vegetation eher karg ist. Klapperschlangen sind mit Sicherheit auch dort zu Hause, obwohl wir keine gesehen haben und die weite des Landes ist auch eine sehr beindruckende Wahrheit.

Was vermutlich die wenigsten über Santa Fe wissen ist, dass mit über 200 Kunstgalerien diese Stadt nach New York Nummer 2 im Kunsthandel Nordamerikas ist. Und es ist die Heimatstadt der Miracle Stair in der Loretto Chapel, unserem Kalenderbild im Juli 2016.

In den Jahren 1873-1878 wurde die kleine Kirche erbaut. Der Architekt Antoine Mouly verstarb leider unerwartet in der Bauphase und so waren die Nonnen auf sich allein gestellt. Gegen Ende der Bauzeit wurde noch eine Treppe zur Empore benötigt, doch alle angefragten Tischler winkten ab, da der Platz für die Treppe viel zu klein geplant war. Also beteten die Nonnen zum heiligen St. Joseph, dem Schutzpatron der Tischler. 10 Tage noch dem Gebet erschien ein Mann mit Esel und einigen Werkzeugen und fragte nach Arbeit. Nach 10 Monaten war die Treppe fertig (ohne Geländer – dieses wurde 2 Jahre später hinzugebaut) und der Handwerker verschwand ohne Bezahlung und genauso plötzlich wie er gekommen war. Abgesehen von der gesparten Bezahlung gibt es weitere Details, die diese Handwerksarbeit außergewöhnlich und beachtenswert machen. Erstens ist an dieser Treppe kein einziges Stück Metall verbaut worden. Kein Nagel, keine Schraube und kein Leim halten die Konstruktion zusammen. Zweitens fehlt der Konstruktion augenscheinlich die statische Steifigkeit, was eigentlich zu einer sehr schwankenden Konstruktion führen würde, die evtl sogar unter der Eigenlast zusammenbrechen könnte. Trotzdem wird die Treppe seit mehr als 130 Jahren täglich begangen und erweißt sich als sehr stabil. Drittens ist das verwendete Holz in der ganzen Region nicht zu finden und wuchs auch dort nie. Unter Beachtung der Entstehungszeit und des nicht vorhandenen Budgets erscheint es sehr unwahrscheinlich, dass es über tausende Kilometer herangekarrt wurde. Ein Wunder eben.

Kein Wunder, sondern knallharter Kapitalismus ist das Merchandising , was die Loretto Chapel aus dieser Geschichte und der Treppe macht. Mehr als 250000 Besucher besichtigen jedes Jahr diese Treppe. Im Merchandise-Store gibt es alles, was man mit der Treppe an Touristen so vermarkten kann. T-Shirts, Videos, Postkarten, Lesezeichen, Kaffeetassen, bemahlte Wandteller und vielen hundert andere tolle Gegenstände. Okay, wir haben auch ein T-Shirt gekauft, aber zu unserer Verteidigung müssen wir festhalten, dass wir auch eine ganz besondere Beziehung zu Treppen haben. Fazit: Sollte ich je im Leben einen Deal vorgeschlagen bekommen, dass ich 10% der Einnahmen bekommen, baue ich die Treppe auch kostenlos. Euch allen eine wunderbaren Juli 2016.