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Kudamm 64

Kudamm 64

Das 7-geschoßige Geschäftshaus am Kudamm 64 wurde 1954/55 von der Philipp Holzmann AG nach den Entwürfen des Architekten Herbert Schiller errichtet und ist heute ein interessantes Baudenkmal der Stadt Berlin. Es ist auch ein interessantes Stück Geschichte, dass mit seiner Nutzung über den Wandel der Zeiten miterzählt. Gebaut wurde es von der Firma Gerhard Ebel & Co, einem Konfektionshersteller mit bis zu 1000 Beschäftigen an diesem Standort. Ja sie lesen richtig, der Kudamm war mal ein Zuhause der herstellenden Industrie. Wo heute Anwälte, Steuerberater, Ärzte oder Immobilienberater Büros unterhalten wurden vor rund 60 Jahren Anzüge, Kleider, Mäntel und ähnliches produziert.

Auch ein Kino war von Anfang an Teil des Hauses. Nach der Eröffnung zog das auf amerikanische Filme spezialisierte Bonbonniere im Erdgeschoß ein. Anfang der 70er Jahre wechselte der Kinobetreiber und auch die Art der Filme. Pornofilme waren für einige Jahre auf der Leinwand zu sehen, bevor 1978 das Cinema Berlin wieder anspruchsvollere Unterhaltung anbot. Später nochmal in Hollywood umbenannt, lief 2003 der allerletzte Film über die Leinwand. Bereits mit der Wende war Schluß mit der Bekleidungsindustrie im Eco-Haus, wie es nach seinem Erbauer bis heute genannt wird.

Seit 2005 betreibt die Zahnarztpraxis KU64 in den Etagen 5 und 6, zukünftig auch in Etage 4, eine sehr erfolgreiche Praxis für Zahnheilkunde. Vom Kind bis zum Greis sind alle Kunden willkommen. Besonders erwähnenswert ist das mehrfach ausgestattete Interior der Praxis. Die geschaffene Wohlfühlatmosphäre lädt wirklich zum Verweilen ein. Großen Kompliment an den Besitzer Dr. Stephan Ziegler, der zeigt, dass eine Arztpraxis mehr sein kann als ein Platz der Schmerzen.

Einzigartig ist natürlich auch die Treppe am Kudamm 64. Eine Wendeltreppe mit nierenförmigen Treppenauge schlängelt sich über alle Etagen. Da wird der Fahrstuhl zur kompletten Nebensache. Interessant ist auch das Geländer. Pfosten aus Flachstahl mit einer Stahlseilbespannung im Zick-Zack. Dabei wurden die Seile offensichtlich nur von Hand gespannt und mit den Ganz- & Halbpfosten verklebt oder verlötet. Es fehlen sogenannte Spannschlösser, welche die Seile spannen könnten. Eine sehr individuelle Lösung, die mit einfachsten Mitteln eine interessante Ornamentik erstellt. Ob der Kunststoffhandlauf  schon seit Anfang an auf dem Geländer verlegt war, kann nicht genau gesagt werden. Soweit uns bekannt ist, wurde dieser Mipolam-Handlauf erst Ende der 1950er Jahre von der Dynamit Nobel AG auf den Markt gebracht.

Das Treppenhaus am Kudamm 64 ist ein Highlight für jeden Fotografen und Architekturinteressierten. Und wenn man schon mal da ist, kann man sich gleich auch noch die Zähne machen lassen. In diesem Sinne euch allen ein strahlendes Lächeln und eine schönen Tag.

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