Wann spricht man von einem Minimalgeländer? Ganz einfach, man lässt bis auf den Handlauf alles weg. Also keine Pfosten, keine Füllstäbe, kein Ober- und Untergurt, nichts als der Handlauf. Jeder der von Statik auch nur eine entfernteste Ahnung hat wird anmerken, dass eine ausreichende Stabilität so kaum zu erreichen ist. Aber unser Beispiel aus London beweist das Gegenteil. Ein Rundrohr, je zweimal pro Lauf an der Betonwange befestigt und in den Wendelungen gebogen ist unglaublich stabil. Man kann problemlos sich draufhängen oder mit aller Kraft daran ziehen und rütteln, es bewegt sich nichts. Und liebe Leser, eins könnt ihr mit Sicherheit glauben, ich habe es probiert. OK, zugeben, bezüglich der deutschen DIN-Norm zur Absturzsicherheit ein Desaster, zumal es sich bei dem Gebäude auch noch um eine öffentliche Universität handelt, aber stilistisch ein Statement.
Irgendwann kam die Aufstockung des Gebäudes, und es kam was kommen musste. Das Minimalgeländer konnte so nicht einfach weiter geführt werden. Also wurde die Treppenwange nach oben geschlossen und der Handlauf wurde zum einfachen Wandhandlauf. Warum man allerdings von einem rot lackierten Rundstahl auf einen runden Holzhandlauf wechselte, bleibt ein gut gehütetes Geheimnis des Architekten. Man muss auch mal was für sich behalten dürfen. Unter diesem Motto, euch allen einen erkenntnisreichen Tag.








