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Train Ride to Sydney

Train Ride to Sydney

Wir haben bewußt die Eisenbahn für die Strecke Melbourne – Sydney gewählt. Es ist der XPT Train, die schnellste Verbindung zwischen Melbourne und Sydney. Dieser Train Ride ist wieder eine Erfahrung, die wir natürlich nicht missen möchten.

8.30 Uhr Abfahrt in Southern Cross, der größte Bahnhof in Melbourne. Der Zug ist gut gefüllt. Vorwiegend Senioren und einige Einheimische, die dem Outfit nach zu urteilen, unterwegs irgendwo aussteigen werden, nehmen den Express Zug. Wieder einmal merkt man deutlich, dass die gleichen Worte in verschiedenen Regionen der Welt einfach eine andere Bedeutung haben. Express Train bei uns in Deutschland meint, der Zug fährt mit bis zu 350 km/h mit möglichst wenigen Haltepunkten von A nach B. Express Zug in Australien meint maximale 120 km/h in einem 40 Jahre alten Zug mit Halt an allen wichtigen Stationen auf dem Weg. Das sind so weltbekannte Ort wie Albury, Wagga Wagga, Junee, Cotamundra und noch einige andere mehr. Und tatsächlich steigen dort Leute ein und aus.

Nachdem wir die Skyline und die Vororte Melbourne`s hinter uns gelassen haben, geht es auf holprigen Schienen stundenlang durch mehr oder weniger trockenes Farmland. Wo eine Farm aufhört und eine andere anfängt kann man nicht so genau ausmachen. Weiden, nein besser, mit trockenem Gras bedeckte Erde, auf dem kleine Gruppen von Kühen, Schafen oder Ziegen umherziehen und versuchen fressbares zu finden, erstrecken sind links und rechts der Bahntrasse. Dazwischen immer wieder mit Wasser gefüllte Erdlöcher, die offensichtlich als Tränke fungieren. Selten mischt sich mal ein Känguru unter die suchenden oder ruhenden Nutztiere. Dann wieder abgeerntete Felder, soweit das Auge reicht. Typisch für diese Kulturlandschaft sind auch die auf den Weiden und Feldern einzeln stehenden Bäume. Sehr häufig bereits abgestorben oder vom Blitz getroffen und dabei in der ursprünglichen Form stark verändert. Wird die Landschaft zu unwegsam für eine Farm, wird  daraus Buschland. Halbhoch gewachsene Bäume prägen das Landschaftsbild. Dann wieder Weiden und weitere Weiden, dann mal wieder ein Feld und weitere Weiden.

Ab und zu kreuzen wir eine Straße, teils asphaltiert, teils einfache Sandstraße, ohne jegliche Befestigung. Durch lautes Hupen an der Lock, wird den evtl. kreuzenden Fahrzeugen die nahende Ankunft des Zuges signalisiert. Das Gleis ist die meiste Strecke nur eingleisig, Diesel der Brennstoff, der die Lok vorantreibt. Eine Elektrifizierung ist aufgrund der geringen Zugdichte und der Entfernung einfach viel zu teuer. Wie schon zu Zeiten Besiedelung, verlaufen parallel zu den Gleisen die Telefonleitungen. Von Mast zu Mast, immer der gleiche Abstand, mal links, mal rechts vom Gleis.

Kurz hinter Junee ist die Hälfte der Strecke passiert. Der Zug kämpft sich einige Hügel hinauf, weit entfernt von der Maximalgeschwindigkeit. Wir sind 25 Minuten hinter dem Zeitplan, läßt der Zugbegleiter durch das Bordmikrofon verkünden. In der Bordküche gibt es heute Hähnchencurry mit Reis, Salat und warme Sandwiches.  Am Morgen hatte ich mir einen Kaffee und zwei Sandwiches gegönnt. Der Kaffee wird dabei, wie bei den alten Cowboys und Goldgräbern, in einer Art Teebeutel in das heiße Wasser gehangen. Filterkaffee a la Outback. Aber trotzdem lecker.

Am Ende des Tages war unser holpriger, 11stündiger Train Ride eine interessante Erfahrung, die „kleinen“ Leute und die noch kleineren Orte, weit weg von den Millionenstädten, kennen zu lernen. Hier im Hinterland von Victoria und New South Wales ist Australien noch Australien, weit weg von Hipstern, Chi Tea Latte am Morgen und 24 Stunden Konsum. Schön, beide Seiten zu treffen.

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